
Frauenpower oder auch nicht ?
Mai 18, 2008Silvia Rottenberg
Deutschlands Frauen sind Weltmeister! Da lagen sich keine Fremden freudetrunken in den Armen, verstopften keine kilometerlangen Autocorsi mit fahnenschwenkenden Fans die Innenstädte. Keine öffentliche Szene ließ vermuten, dass Deutschlands weibliche Kicker soeben die höchste Trophäe des Weltfußballs gewonnen hatten. Die öffentliche Wahrnehmung des Triumphs bleibt eher mager – daran ändert auch der traditionelle Empfang in der DFB-Stadt Frankfurt nicht viel. So verkündete die Münchner Ausgabe von Deutschlands meistgedruckter Zeitung am Montag auf dem Titel ganz groß den Tod eines kaum noch bekannten Fußball-Managers. Erst darunter und in einem Bruchteil der Größe vermeldet „Bild“: „Wir sind Weltmeister.“
SIR Henry und die Bundestrainerin
Die Medien, so scheint es, wissen auch inhaltlich nicht so genau, wie sie den Frauenfußball einsortieren sollen. Auffällig wurde dies im Final-Kommentar des übertragenden ZDF. Kommentator Norbert Galeske beurteilte die Partie bewerkenswert anders als ein Spiel bei Männern. Den gelungenen Flankenlauf einer Brasilianerin blies Galeske zum „Kabinettsstückchen“ auf. Der Gipfel: „Schauen Sie mal diesen Blick von Birgit Prinz”“ forderte der TV-Kommentator erregt vom Publikum, als die spätere Torschützin von der Regie in Großaufnahme eingeblendet wurde. Tatsächlich reibt sich Prinz am Auge und wirkt ganz schön müde in der Großaufnahme.
Birgit Prinz
Es drängte sich der Eindruck auf, als hätten Helfer im Hintergrund Herrn Galeske jeden Rest von journalistisch kritischer Beobachtungsgabe ausgetrieben und zusätzlich seinen Spielkommentar durch einen rosarot gefärbten Beschönigungsfilter gepresst.
Die Fitnesstrainerin der Nationelelf
Denn: Wären die Frauen Männer, hätte Galeske Löcher in der Abwehr und technische sowie taktische Defizite benannt oder sogar zum sattsam tradierten Bild des „Hühnerhaufens“ gegriffen, als den die Sportreporter eine phasenweise chaotische Abwehrleistung gern titulieren.






