
Wer ist Theo Zwanziger?
Mai 21, 2008Welche Macht haben der Deutsche Fussballbund und sein Präsident?
Mehr Macht, als man von außen sieht. Mit 6,3 Millionen Mitgliedern in 26.000 Vereinen ist der Deutsche Fußball-Bund eine der stärksten gesellschaftlichen Organisationen in Deutschland überhaupt. Noch dazu ist der DFB reich. Allein aus der WM 2006 verblieb ein Überschuss von 106 Millionen Euro, den sich der Verband mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) teilt, die im Auftrag des DFB die Bundesliga organisiert. Die WM hat nicht nur Deutschland in ein neues Licht gesetzt, sondern auch den ausrichtenden DFB. Eliten aus Politik, Wirtschaft und Kultur drängelten sich auf den Ehrentribünen der Stadien und auch auf den Verbandstreffen des DFB. Theo Zwanziger, der seit 2004 an der Spitze des Verbandes steht, hat es bisher geschickt vermocht, den Machtgewinn zu nutzen. Diskret hat das CDU-Mitglied einen Draht zu Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgebaut, die dem Fußball lange nicht viel abgewinnen konnte. Inzwischen ist sie Ehrenmitglied bei Energie Cottbus, und Zwanziger ist Gast beim Integrationsgipfel im Kanzleramt. Der einstige Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz und Regierungspräsident in Koblenz weiß, dass sich Politik in öffentlichen Schlachten entscheidet – und in den Sondierungen zuvor. Deshalb hält er Kontakt zu den Behörden; im September 2007 besuchte er etwa das Bundeskartellamt. Umso mehr erzürnt ihn nun der unangekündigte Besuch der Kartellwächter in dieser Woche. Die Fahnder durchsuchten die Büros des DFB und der DFL in Frankfurt am Main und beschlagnahmten Unterlagen. Der Verdacht: „wettbewerbsbeschränkende Absprachen“ zwischen DFB und DFL bei Verhandlungen mit Sponsoren. Der deutsche Fußball ein Kartell? Wenn Zwanziger das hört, wird er laut am Telefon. „Wo soll denn hier ein Kartell sein?“, ruft er. „Die Nationalmannschaft ist ein Volksgut, sie konkurriert mit anderen Nationalmannschaften, aber doch nicht mit der Bundesliga.“ Am Montag will er einen Beschwerdebrief ans Bundeskartellamt schicken, ein offener Brief soll das sein. Der Präsident weiß um die Macht seines Verbandes, und er weiß sie einzusetzen.
Wie geht Zwanziger mit Krisen um?
Schlechte Zeiten im DFB waren meist gute Zeiten für Theo Zwanziger. Denn dann vertrauen sie ihm – dem Juristen, Gremienarbeiter, Konsenssucher und, wenn es sein muss, öffentlichen Polterer. Als Gerhard Mayer-Vorfelder 2004 im Herbst seiner Präsidentschaft eigenständig und vergeblich einen Nachfolger für den bei der EM zurückgetretenen Teamchef Rudi Völler suchte, stellte DFBSchatzmeister Zwanziger – gestützt auf die Amateurverbände – die Machtfrage. Am Ende kam es zur Doppelspitze, in der Zwanziger zwei Jahre lang den aktiven Präsidenten gab. Im Wettskandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer gewann er dann weiteres Profil. Intern setzte er eine zügige Aufklärung durch, in der Politik rückte er das Thema Sportwetten auf die Agenda, er reformierte das Schiedsrichterwesen und verklagte Hoyzer auf Schadenersatz. Auch im jetzigen Konflikt mit dem Bundeskartellamt, in dem dem DFB Millionenstrafen und ein Imageschaden drohen, setzt der 62-Jährige auf Aktion. Nach der ersten Empörung über die „unverantwortlichen Frechheiten“ der Behörde las er sich zu Hause in die Materie ein, am Freitag beriet er den gesamten Tag über mit Experten und Juristen. Nun will er beweisen, dass es mit der DFL keine wettbewerbseinschränkenden Absprachen gab. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe Sponsoring mit der DFL, die das Kartellamt im Visier hat, habe keine Werbekunden untereinander aufgeteilt – sondern interne Abstimmungen vorgenommen, etwa wenn ein Nationalspieler des FC Bayern im DFB-Dress für Mercedes werben müsse und im Bayern-Trikot für Audi. Zwanziger muss wieder mal tun, was ihm liegt, was ihn aber manchmal auch nervt: Er muss Behörden erklären, wie sein Verband funktioniert und organisiert ist.








































